Jung und Alt kamen zum Treffpunkt des Kapellenvereins St. Antonius. Mit Schubkarren, Arbeitshandschuhen und Greifzangen als Werkzeug sammelten sie wilden Müll an Straßen und Feldern ein.
Foto: lgner,Detlef (ilg)/Ilgner Detlef (ilg)

INFO

Amt für Stadtpflege koordinierte die Einsätze
Teilnehmer Insgesamt 27 Veranstalter von Vereinen, Einrichtungen und Schützenbruderschaften hatten sich zum Aktionstag „Saubere Stadt“ angemeldet. Auch spontane Helfer schlossen sich den jeweiligen Gruppen an.

Koordination Das Team der Stadtpflege koordinierte die Aktivitäten und stellte die jeweiligen Treffpunkte zusammen.

Entsorgung Die Stadt sorgt für die Entsorgung der Müllsäcke und des gesammelten Sperrguts.

Aktionstag „Saubere Stadt“
in Korschenbroich:
Viel Pandemie-Müll beim Frühjahrsputz

Nach Corona-bedingter Pause beteiligten sich wieder zahlreiche freiwillige Helfer am Aktionstag „Saubere Stadt“. Darunter auch der Kapellenverein St. Antonius. Neben normalem Abfall gab es auch sonderbare Fundstücke.

Insgesamt 35 Säcke voller Müll hat der Kapellenverein St. Antonius nach zwei Stunden gesammelt. Darunter zahllose Masken. Hinzu kommen ein halbes Fahrrad, ein Weihnachtsständer, Autoreifen, Regale und zahlreiche weitere sperrige Dinge.
Blagovesta Lohwasser ist eine von vielen fleißigen Freiwilligen, die sich am Aktionstag „Saubere Stadt“ vor Julia und Holger Vetters Haus versammelt haben, um von da aus in die Nachbarschaft auszuschwärmen und wilden Müll aufzusammeln. Papierschnipsel und Zigarettenschachteln vor dem Bahnuntergang an der Herrenshoffer Straße findet Lohwasser reichlich. Vor allem ärgert sie sich über die vielen Zigarettenkippen. „Die Menschen wissen anscheinend nicht, dass sie damit das Grundwasser verderben“, kritisiert sie.

Über das Stadtgebiet verteilt sind viele weitere Helfer aus Vereinen, Schützenbruderschaften und Kitas sowie Einzelpersonen im Einsatz. Claudia Philippi und die fünfjährige Tochter Paulina schließen sich dem Kapellenverein als „Externe“ an, da sie an der Niers-Aue keine Sammelgemeinschaft gefunden haben.  Als Ausrüstung stehen und liegen bei Familie Vetter zwei Schubkarren, Stapel von Arbeitshandschuhen und große Müllsäcke. Paul Otten bringt Greifzangen an langen Griffen aus eigenem Bestand mit.  Die freiwillige Arbeitsgemeinschaft ist altersmäßig gut durchmischt, nicht zuletzt dank der Familie Vetter, die mit den Kindern Paul, Lena und Moritz in Komplettbesetzung antritt.
Ein Trupp sucht den Saum der Landstraße ab, da manche Autofahrer Abfälle bedenkenlos durchs Fenster werfen. Tatsächlich lassen sich in einem Zaun und zwischen Büschen Plastikbeutel unterschiedlichster Couleur sowie ein verrostetes Metallrohr finden.
Das Bahnhofsgelände gilt als Schwerpunkt. Jutta und Dominique Müllejans sind vorsorglich mit Bollerwagen gekommen. Das kleine Gefährt ist schon bald beladen mit einem Lautsprecher und einem halben Fahrrad, die im Gebüsch beim Parkplatz lagen. „Ich habe das Schloss dazu, damit das Rad nicht gestohlen wird“, sagt Kerstin Fengler ironisch, als sie die Sammlung ergänzt. In der Nähe hätten weitere aufgeknackte Schlösser gelegen, vermutlich von einem Seriendieb entsorgt, mutmaßt Dominique Müllejans. Er ärgert sich über Spuren von ausgeleerten Auto-Zigarettenbehältern. Seinen Humor behält er: Als im Feld am Grünen Zierdenweg ein Hase auftaucht, ruft er den anderen zu: „Wenn ihr Ostereier finden solltet, werft die nicht weg!“.
Die Helfer sind sich einig, dass sich die durch Corona erzwungene Pause beim Frühjahrsputz bemerkbar macht. Zudem seien erstmals achtlos weggeworfene Hygienemasken ein Thema.

Auf der anderen Seite der Gleise fegt Wolfgang Skiba im Außenbereich des Kulturbahnhofs. Er ist Ansprechpartner für den Heimatverein Korschenbroich, die Zwar-Montag-Gruppe und den SPD-Ortsverein. Gekommen sind vor allem die Parteifreunde. Manchmal werde er gefragt, warum er sich den Einsatz beim Aktionstag antue. Es bringe nichts, sich zu ärgern, erklärt Skiba sein Engagement seit den Anfängen, als der Aktionstag noch nicht „Saubere Stadt“, sondern „Dreck-weg-Tag“ hieß. Ehefrau Dagmar pickt mit einem Greifer Abfälle aus dem Bewuchs entlang des Bahnsteigs.

Verwitterte Zigarettenschachteln sind zuweilen derart von Dornen umwachsen, dass sie sich kaum packen lassen. „Ich staune, was die Menschen alles wegwerfen: Flaschen, Masken, Bonbonpapier“, erklärt sie. „Es ist eine Sisyphus-Arbeit“, stellt Richarda Leehr fest.

Um den Bahnhofsbereich längerfristig sauber halten zu können, wird Axel Fengler zum Grenzgänger zwischen den Gruppen dies- und jenseits der Schienen. Er entfernt den Efeu, der unter die Bänke der Wartehäuschen gekrochen ist und zahllose Zigarettenkippen, Scherben und kleine Flaschen überwuchert hat. „Wenn der Efeu nicht entfernt wird, kann hier keiner reinigen. Da hilft auch kein Laubbläser“, so Fengler.

NGZ/RPonline/Angela Wilms-Adrians 21.03.2022