Was tut man, wenn man die Einladung erhält, im Kulturbahnhof Korschenbroich auszustellen? Nun, man freut sich und macht sich an die Arbeit.
Nach der Ausstellung „Der besondere Blick“ im Sommer 2016 bekamen wir, der Fotoclub Düsseldorf im BTC von 1931 e.V., die Gelegenheit, 2020 erneut auszustellen. Es gab ein paar Vorschläge für Themen, aber auch den Hinweis, dass wir gerne eigene Ideen einbringen könnten. Schnell hatte sich eine kleine Projektgruppe formiert, die sich um die Organisation kümmern wollte, und noch schneller ergab sich an einem lauen Spätsommerabend auf der Clubterrasse das Thema: „Korschenbroich bei Nacht“. Damit haben wir uns beim Heimatverein Korschenbroich zurückgemeldet und das Okay bekommen. 
Am 4. Oktober 2019 trafen wir uns erstmals in größerer Runde in Korschenbroich zum (Essen und) Fotografieren. Mit Karl-Heinz und Barbara Romann hatten wir zwei sprechende Korschenbroichlexika an unserer Seite, die zu jedem Stein eine Geschichte zu erzählen wussten – aus jedem Jahrhundert seit Stadtgründung. Damit hatten wir nun eine sehr spannende Konstellation: zwei Insider, die uns Tipps für Locations gaben, und eine Horde „frischer Augenpaare“, die noch nie zuvor in Korschenbroich waren und daher immer wieder faszinierende Details sahen (was einem in der eigenen Nachbarschaft ja nicht immer leicht fällt). Barbara Romann kam immer wieder mit neuen Ideen für „Innenräume“ um die Ecke und hat dann auch gleich deren Zugänglichkeit ermöglicht – nach Betriebsschluss im Hallenbad, nachts in die Kirche, in der gerade die Orgel erneuert wurde, im Dunkel auf den Lagerplatz eines Händlers für antike Baustoffe. Das war sehr spannend – und wäre ohne die Verbindungen und den Enthusiasmus von Barbara Romann auch nicht möglich gewesen.
Zwei Monate lang sind wir in unterschiedlichen Konstellationen nächtens durch die Stadtteile mäandert, haben amüsante Dialoge mit Korschenbroichern geführt („Korschenbroich bei Nacht – wer will das denn sehen?“) und eine große Menge an Bildern geschaffen. Anfang Dezember haben wir knapp 300 Bilder, die von insgesamt 14 Clubmitglieder eingereicht wurden, im Format 10×15 ausgedruckt, auf den Tischen im Clubraum verteilt, Werkgruppen gebildet und Motive in die engere Wahl genommen. In Korschenbroich haben wir mit dieser Vorauswahl den Kulturbahnhof heimgesucht und ganz pragmatisch die Arbeiten auf die Wände verteilt und die Größen der Exponate festgelegt. Mit diesen Informationen konnten die Autoren dann die finale Bildbearbeitung angehen und die Produktion angeschoben werden. 

Donnerstags beginnend, haben wir die Ausstellung gehängt (und gestellt). Etwa 50 Mannstunden kamen zusammen: Die alten Bilder aus den Rahmen holen, die neuen Exponate in die Rahmen legen, teilweise feststellen, dass die Rahmen nicht exakt passten, dann die Bilder entsprechend beschneiden, das Glas der Rahmen putzen, die Einzelbilder an die Wände und Stellwände und in die Vitrine applizieren und die Rahmen hängen und ausrichten. Die Tücke lag immer im Detail, aber wir haben es am Ende geschafft, aus jeder Not eine Tugend zu machen.

Sonntags war zur Vernissage geladen. Es gab freundliche einführende Worte von Barbara Romann in ihrer Funktion als Vorsitzende des Heimatvereins, Bürgermeister Marc Venten und Spartenleiter Martin Rütgers, der den Blick auf die beteiligten FotografInnen und ihre Werke lenkte: Gerry Gough, Helga Hansmann, Franjo Hartmann, Andrea Hermann, Melita Kahl, Karl-Heinz Romann, Mathias Roß, Ulrike Scharfenberger, Kerstin Schütze, Jürgen Stodt, Rüdiger Theiß, Peter Wachendorf, Gerd Wierschem und mich.
Von den zahlreichen Korschenbroichern drangen nur begeisterte Kommentare an unsere Ohren. Die Besucher hatten einen Heidenspaß daran, die Orte zu erraten. Am schwersten fiel dies bei Rüdiger Theiß’ Bild eines knallroten Gebäudes – das es so im Original nicht gibt. Da war der Fotograf gefragt und musste Auskunft zu Photoshop geben – das Bild war gespiegelt und minimal retuschiert worden. Andere erfuhren durch uns, dass das Hallenbad nach Umbau wieder geöffnet ist. Die Schwimmbad-Serie, die nach Farbverlauf geordnet ist und mit entsprechendem Washi-Tape angebracht wurde, fand ebenfalls großen Anklang.

Die „Kirchenwand“ mit der wie gemalt anmutenden Kirchendecke von Karl-Heinz Romann im Zentrum wurde ebenfalls begeistert aufgenommen.
Letztlich ist es aber müßg, einzelne Bilder hervorzuheben – jedes funktioniert innerhalb der Ausstellung wunderbar und hat zu etlichen Erzählungen und Erinnerungen angeregt. Die Gäste hatten sichtliches Vergnügen an unserem Projekt und wir waren erleichtert: An einem Ort, der einem nicht vertraut ist, zu fotografieren und die Ergebnisse dann den kritischen Augen der Korschenbroicher zu überantworten, war eine spannende Erfahrung für uns.
Die knapp 300 10×15-Bilder aus der Auswahlrunde haben wir in eine große Schale gelegt mit dem Hinweis, man dürfe sich gerne eine Erinnerung mit nach Hause nehmen. Viele haben die Bilder durchgesehen – es waren ja auch die dabei, die nicht hängen –, und etliche haben nach links und rechts gesehen, ehe sie mehr als ein Foto aus der Schale in die Tasche wandern ließen. Auch das haben wir als Anerkennung empfunden.
Für das Projekt- und FotografInnen-Team: Antje Terhaag