Heimatverein Korschenbroich e.V.
 
gemeinnütziger Verein gegründet 1983
 
Jahresrückblick 2017
 
 
 


16. Juli bis 17. September 2017
Ausstellung Schützenwesen in Korschenbroich

Vorbildlich: Sozialer Einsatz der Schützen

 

FOTO: D. Ilgner

 

"Freude schenken, Orientierung geben und Hilfe in der Not leisten", so erklärt Bezirksbundesmeister Horst Thoren aktive Bruderschaft. Von Ruth Wiedner-Runo

Ein Leitspruch der Bruderschaften im Bezirksverband Mönchengladbach-Korschenbroich lautet "Bruder sein ist mehr". Was genau damit gemeint ist, wurde gestern Vormittag anlässlich der Ausstellungseröffnung "Kulturerbe - Schützenwesen in Korschenbroich" anschaulich verdeutlicht. Bezirksbundesmeister Horst Thoren hatte im Korschenbroicher Kulturbahnhof Schützenchefs - jeweils einen Vertreter der neun Bruderschaften und Vereine aus dem Stadtgebiet - um sich geschart, um mit ihren das Verständnis von Brauchtum zu diskutieren. "Freude schenken, Orientierung geben und Hilfe in der Not leisten, das klingt staatstragend. Das soll es auch." Mit dieser Feststellung stimmte Horst Thoren die mehr als 100 Anwesenden auf eine kurzweilige Diskussionsrunde ein. Und dass die Schützen bei weitem mehr können, als nur Bier trinken, wurde ganz schnell deutlich. Thoren spannte einen großen Bogen - angefangen bei der Flüchtlingshilfe, dem Weihnachts-Wunschbaum, über die Kinder-Direkthilfe, den Glehner Sorgenkindern bis hin zur Augenhilfe Afrika. "Wir Schützen tragen soziale Verantwortung", sprach er von einem "Bekenntnis zur Heimat" und erinnerte dabei an den Dezember 2015. Seither gehören die Schützenbruderschaften zum Unesco-Weltkulturerbe. "Im Mittelpunkt steht das gesellschaftliche Engagement", pflichtete ihm Hans Bert Heimanns, Präsident der St.-Sebastianus-Bruderschaft Kleinenbroich, bei. In Kleinenbroich wird daher die Integration von Flüchtlingsfamilien intensiv betrieben. "Wir helfen immer da, wo wir gebraucht werden." Dies gilt auch für die Liedberger Sebastianer. "Wir helfen nach unseren Möglichkeiten und entscheiden je nach Dringlichkeit", erklärte Präsident Josef Schnock und führte das Kinderhospiz Regenbogenland ebenso an wie die Kita oder die Grundschule vor Ort. Die Herrenshoffer, sie haben seinerzeit auch für den Einsatz einer Grundwasser-Pumpe gesammelt, fördern ebenfalls die Augenhilfe Afrika. "Wir wollen auch über unsere Ortsgrenzen hinweg Zeichen setzen", betonte Hubertus-Präsident Karl-Heinz Hox. Während in Steinforth-Rubbelrath die Förderung der Alten Schule als Ortstreffpunkt und das Glehner Namibia-Projekt oben anstehen, erzählte Sebastianer-Präsident Peter-Josef Schepers von einem traurigen, aber ganz wichtigen Einsatz. Als eine Mutter bei der Sturzgeburt ihres achten Kindes im Dorf verstarb, sammelte und kümmerte sich die Bruderschaft. Während sich die Donatus-Schützen für das Projekt "Das ist Pesch", für "Tobi" und die Kindertafel Neuss stark machen, managt der Heimatverein Lüttenglehn das Dorfleben mit wöchentlichen Seniorentreffen, Umwelt- und Martins-Aktionen. Die Glehner kümmern sich um ihre "Sorgenkinder", den Schützenpark und das Ehrenmal, während die Korschenbroicher Bruderschaften sich den Großprojekten, der Kinder-Direkthilfe für Bolgatanga und der Augenhilfe Afrika, verschrieben haben. Nach 45 Minuten fasste Hans Bert Heimanns das Leitmotiv der Schützen trefflich zusammen: "Einer für alle, alle für einen."

Die Idee zu dieser Ausstellung im Kulturbahnhof hatte Pejo Stefes. Und so war es eine Selbstverständlichkeit, dass er die Begrüßung der Ehrengäste übernahm. "Die gesamte Vorbereitungsphase war von Harmonie geprägt. Sie zeigt, dass in Korschenbroich fruchtbarer Boden für Solidargemeinschaften vorzufinden ist", so Stefes. Dass sich das Ergebnis sehen lassen kann, unterstrich Vize-Bürgermeister Hans-Willi Türks, der Grüße von Bürgermeister Marc Venten überbrachte und ebenfalls betonte: "Die Bruderschaften leisten viel mehr, als nur das Feiern ihres Jahresfestes."
NGZ Ruth Wiedner-Runo

Begleitprogramm:
9. August
Kulturelle Bedeutung des Schützenwesens

Sie betonen bei der Ausstellung zum Schützenwesen die religiöse und kulturelle Bedeutung (v.l.): Ralf Heinrichs, Pfarrer Zimmermann und Peter Schlösser

Foto: Ilgner

 

Warum das Schützenwesen einen so hohen Stellenwert hat

Die Ausstellung zum Schützenwesen in Korschenbroich ist gut bestückt, und doch hatte Pfarrer Marc Zimmermann zum Vortrag "Religiöse und kulturelle Bedeutung des Schützenwesens" im Kulturbahnhof eine Monstranz mitgebracht. Der Geistliche referierte über die religiöse Bedeutung des Brauchtums. Mit der Monstranz unterstrich er die Bedeutung des Altarsakraments als Kern der christlichen Bruderschaften. Ralf Heinrichs, Bundesgeschäftsführer des Bundes der historischen Deutschen Schützenbruderschaften, schlug beim Blick auf die kulturelle Bedeutung den Bogen von vorchristlichen Vogelschussritualen bis zum heutigen Schützenwesen. Beide Referenten nannten übereinstimmend gelebte Gemeinschaft und sozial-karikative Aufgaben als zentrale Werte. Sebastianer-Präsident Peter Schlösser begrüßte unter den Zuhörern Schützenkönig Axel Manns, der wie Heinrichs im grünen Schützenrock gekommen war, und den stellvertretenen Bürgermeister Hans-Willi Türks.

Beim Blick in die Geschichte betonte Zimmermann die jahrhundertealte Bindung der frühen Bruderschaften an den christlichen Glauben. "Die verinnerlichte Teilnahme an den Gottesdiensten" und den sozialcaritativen Dienst hätten sich die Mitglieder "ins Stammbuch" geschrieben. Wegen ihres Glaubens seien die Bruderschaften den Nationalsozialisten verdächtig erschienen, so Zimmermann, der - wie später auch Heinrichs - von Repressalien in jener Zeit berichtete. Dem Schützenwesen schrieb er eine bis heute tragende Rolle für gemeinschaftliches Erleben, die Überwindung sozialer, mitunter konfessioneller und kultureller Grenzen zu. Er beschrieb aber auch einen Wandel, bedingt durch moderne Bindungsängste, eine Neigung zur Oberflächlichkeit und Pluralismus. Doch der Geistliche zeigte sich überzeugt, dass die Schützengemeinschaften "auf einem guten Weg sind, die althergebrachten Ideale in eine neue Zeit zu übersetzen".

Ralf Heinrichs betonte, dass die Anerkennung des Schützenwesens als immaterielles Kulturerbe den Anstoß für die aktuelle Ausstellung gegeben hatte. Im Vortrag unternahm er eine Zeitreise von den heidnischen Anfängen der Kultbruderschaften über eine kirchliche Anpassung bis zur Gegenwart.

Heinrichs stellte etwa den Wandel in der Bedeutung des Königssilbers vor: "Wir sehen es heute als Kulturgut an. Für unsere Vorfahren aber war es eine Sparkasse. Das Silber wurde für etwas Neues verkauft."

NGZ/Angela Wilms-Adrians



 

zurück zur Übersicht 2017