5. Mai 2018 Ausstellung QUATTRO

Ausstellung voller Symbolik und Provokation.

Horst Schleicher zeigt seine Ausstellung im Kunstbahnhof.

Foto: Ilg

Korschenbroich Heimat, Migration, Glaube und Selbst – das sind die Themen der Ausstellung von Horst Schleicher.
„Quattro – vier Wände, vier Themen“, hat Horst Schleicher seine Ausstellung genannt, die am Samstag im Korschenbroicher Kulturbahnhof eröffnet wurde. Die vier Themen heißen „Heimat“, „Migration“, „Glaube“ und „Selbst“. Es ist eine Ausstellung voller Symbolik und Anspielungen, mit einem Schuss Provokation.
Die Wand „Selbst“ ist die persönlichste und Horst Schleicher möchte hier nicht über alles sprechen, alles erklären. Da ist zum Beispiel die goldglänzende Rettungsdecke. Welchen Bezug sie zur Biografie des 74-Jährigen hat, bleibt offen. Ein Ready-made ist der Hirsch, den der Künstler weiß angemalt hat: „Dahinter steckt eine Aufforderung an mich selber, nicht immer so zu röhren“, sagt Schleicher.
Das Thema „Migration“ wurde ebenfalls auf sehr griffige Weise umgesetzt. Da schauen Flüchtlinge von außen zum Fenster rein – die Fotos wurden am PC verfremdet und dann auf Folie gedruckt. Eine blaue Plane steht für das Meer, die Boote sind klein wie Nussschalen, die Figuren darin dicht gedrängt. Ein vergleichsweise großer Arm ragt hervor, eine Geste, die von Not zeugt.
Mit dem Thema „Religion“ geht Horst Schleicher in der für ihn typischen Art um. Eine Plastikflasche, die einmal Haarshampoo enthalten haben dürfte, lackierte er und machte daraus einen Papst – der Verschluss in Gold erinnert an die Kopfbedeckung des Oberhaupts der katholischen Kirche. Und er nagelte einen Mann ans Kreuz, dass eigentlich das Facebook-Logo ist. Die christliche Madonna nimmt Blickkontakt auf zu einer Muslima – beide Frauen unterscheiden sich optisch kaum.
Beim Thema „Heimat“ wird Schleicher keineswegs sentimental: „Pech in Pesch“ heißt seine Installation. Die verkohlten Hölzer haben einen konkreten Bezug zum Platanengarten der früheren Gaststätte Deuss, den Schleicher in Gefahr sieht. Seine Fotos präsentiert er auf der Form eines alten Fachwerkhauses. Es sind aber nicht die idyllischen Winkel, die dem Künstler aufgefallen sind, sondern das weniger Schöne: Triste Architektur, ein VW Käfer, der still vor sich rostet.
Zu den vier Wänden kommt noch eine Vitrine im Eingangsbereich – sie bietet Platz für kleinere Provokationen: beispielsweise eine Bibel für Männer und eine – deutlich kleinere – für Frauen. Der „Hirsch“ röhrt immer noch gerne.

NGZ/(Barni)