17. Januar 2018 ANDREAS IZQUIERDO FRÄULEIN HEDY UND IHR CHAUFFEUR Premierenlesung

„Korschenbroich liest“- Initiatoriin Rita Mielke stellte den Autor Andreas Izquierdo im gut besuchten Kulturbahnhof vor.


FOTO: Hans-Peter Reichartz

Mit einer Premierenlesung startete „Korschenbroich liest“ in das neue Bücherjahr, mit dem zugleich der 10. Geburtstag des Projektes gefeiert wird. Andreas Izquierdo stellte mit „Fräulein Hedy träumt vom Fliegen“ sein neues Buch vor, das erst Anfang dieser Woche die Buchhandlungen erreicht hat. Eine echte Premiere also. Mit viel Zuspruch seitens des lesenden Publikums: In dem großen Saal des Museums Kulturbahnhof drängten sich etwa 80 Gäste. Der in Köln lebende Autor war zum dritten Mal bei den Korschenbroichern. „Es gibt nicht so viele Autoren, von denen wir das behaupten können“, betonte Rita Mielke in ihrer Begrüßung.

Entgegen seinen Gewohnheiten begann Izquierdo ohne lange Vorrede, auf der ersten Seite zu lesen. Und führte damit in die Figur der 88-jährigen Hedy von Pyritz ein, eine eigenwillige, unnachgiebige Dame, die folgende Annonce in den Westfälischen Nachrichten aufgibt: „Dame in den besten Jahren sucht Kavalier, der sie zum Nacktbadestrand fährt. Entgeltung garantiert.“ Damit startet eine Geschichte, die zunächst sehr leicht, bissig-witzig und ein bisschen verrückt klingt. Jan, der Physiotherapeut der alten Dame, spielt eine immer größere Rolle in Hedys Leben und ist gleichzeitig charakterlich ihr komplettes Gegenteil: still, zurückhaltend.
Izquierdo beendete seine Lesung an der Stelle, an der die Leichtigkeit – so kündeten es der Autor und Rita Mielke an – in eine historische Geschichte umschlägt. Die Tür wird „geöffnet für andere Themen und Dinge, die die Unbeschwertheit radikal ändern“. „Eine dramatische Geschichte steckt dahinter – mehr verrate ich nicht“ – so Izquierdo.
Wie die Figur Hedy entstanden sei, wurde Izquierdo gefragt. Nein, es gebe nicht eine alte Dame, die Patin gestanden habe. Im Vorfeld ist Izquierdo durch Kölner Altenheime gezogen und hat sich mit Frauen über ihr Leben unterhalten. Es fließen auch historische Figuren aus den 1920er und 1930er Jahren ein, die „die Emanzipation lebten, bevor es diesen Begriff gab“, erklärte Izquierdo und nannte berühmte Pilotinnen („nicht zufällig heißt das Buch ‚Fräulein Hedy träumt vom Fliegen'“) wie Amelia Earhart, Elly Beinhorn oder Beryl Markham.
Woher die Idee zum Einstieg in das Buch kam, verriet Izquierdo gerne: Er besuchte mit einer Tante seine spanische Heimat. Von einer betagten Haushälterin hörte er davon, dass eine alte Dame eine Annonce aufgegeben habe mit genau dem Text, den er Hedy von Pyritz in den Mund legt. Und wusste: „Das ist doch ein toller Einstieg.“
NGZ/Sigrid Blomen-Radermacher

4 Fotos: Ernst Neugebauer