Platt jekallt zur „Ladies Nait“

Mundartfreundinnen begeisterten im Kulturbahnhof mit einem vergnüglich serviertem Programm.

Die Älteste machte den Anfang: Cilly Fiethen versteht es, die Mundart zu sprechen, dass es eine Freude ist: Humorvoll, lebensweise und in mitreißender Begeisterung bot die 93-Jährige einen lebhaften Einstieg zur „Ladies Nait“ im Kulturbahnhof. Moderatorin Andrea Otten hatte für „dat Kleenste, aber Äldeste“ ein Tröhnchen vorbereitet, damit der Gast aus Büttgen ans Mikrofron reichte. Als das Provisorium ob der lebhaften Erzählerin darauf leicht ins Wanken geriet, blieb diese unbeeindruckt.

Der herzerfrischende Tenor des Auftakts blieb der Mundartlesung erhalten. An zwei Tagen setzten die Korschenbroicherinnen Andrea Otten, Uschi Knoche, Uschi Jansen, Susanne Zandonella, Martina Golombek und Sabine Stefes mit Fiethen vorwiegend auf Heiteres. Dabei würzten die Mundartdamen die Lesung eigener und fremder Texte mit passender Mimik und Gestik. Die „Ladies Nait“ sei ein Selbstläufer, sagte Peter-Josef Stefes zur beliebten Veranstaltung, die der Verein zur Pflege und Förderung der Mundart im Rhein Kreis Neuss und Heimatverein gemeinsam anbieten. Der weiblichen Dominanz zum Trotz kamen auch Stefes und Heinz Stiegen zu Wort und begeisterten als chaotisches Handwerksduo.

In der Rolle der Trier-Pilgerin auf dem Weg zum Grab des „Matthes“ knüpfte Otten auf amüsante Weise an die in Korschenbroich gelebte Pilgertradition an. In Anspielung auf das Seniorenheim in Bahnhofsnähe gab Susanne Zandonella im hinreißenden Vortrag die Altenpflegerin mit dem Traum vom Leben als Stewardess. Lachsalven erntete sie ebenso mit der Erzählung von den Auswirkungen eines Bohnengerichts in der Maiandacht. Uschi Jansen personifizierte auf köstliche Weise die neugierige Nachbarin mit der puren Lust am Dorfklatsch und parodierte mit Blick auf Lischen Müller sowie Hinz und Kunz vertraute Namen von Menschen, die keiner kennt. Martina Golombek befand zum Hüftgold der Molligen, da müsse Frau es nur verstehen, die Pracht richtig zu servieren. Vergnüglich berichtete Uschi Knoche von Jupp und den Tücken der Technik. In der Liebe zur Mundart schlägt Sabine Stefes offenbar nach dem Vater. Sie beherrscht den trockenen Humor, der die Zuhörer vergnügt lachen ließ. Zu Josef Nowaks Begleitung am Keyboard ergänzten die Ladies der Mundart im Chor mit den beteiligten Herren die Auswahl der Texte um thematisch passende Lieder.

NGZ/RP online/Angela Wilms-Adrians