Neue Ausstellung im Kulturbahnhof

Ingo Heintzen zeigt seine Werke im Kulturbahnhof. Foto: Jürgen Körting

„Monochromie oder der Odem der Stille“ nennt Ingo Heintzen seine Werke. Noch bis Mitte Januar sind sie in der Ausstellung im Korschenbroicher Kulturbahnhof zu sehen.

Ingo Heintzen liebt es ländlich: Er lebt in Hülchrath, ist Hobby-Ornithologe und mit seiner Kunst möchte er zur Nachdenklichkeit anregen. Dabei kommt er nicht laut daher, sondern zwingt den Betrachter, sich mit seinen Werken auseinanderzusetzen – Exponaten, bei denen es unter anderem um Vergänglichkeit geht.

Hilla Baecker stellte den 74-Jährigen im Korschenbroicher Kulturbahnhof als „geduldigen und stillen Beobachter“ vor. Heintzen hatte in Bremen Grafik-Design studiert, später in namhaften Werbeagenturen gearbeitet und als Teilhaber der Agentur „Rempen & Partner“ große Erfolge gefeiert. 1999 verkaufte er seine Anteile und widmete sich der Kunst. „Monochromie oder der Odem der Stille“ heißt die Ausstellung im Kulturbahnhof. Der Titel lässt bereits erahnen, dass keine knalligen Farben und bizarre Formen um die Gunst des Betrachters buhlen. „Rost ist für mich die neue fünfte Grundfarbe“, sagt der Wahl-Hülchrather. Das sieht man auf den ersten Blick. Ihn reizt es, den Rost gezielt einzusetzen, den Korrosionsprozess so gut es geht zu steuern. Und dass Vergänglichkeit nicht binnen kurzer Zeit erzielt werden kann, stört ihn nicht. Robert Jordan, der Kurator der Ausstellung, wies in seiner Einführungsrede auf die Krakelee-Bilder hin: Hier sorgt ein maschenartiges Netz von Farbrissen und –sprüngen für Effekte, die an alte Maltechniken erinnern. Der Künstler, sagt Jordan, gehe das Risiko bewusst ein, dass seine Werke nicht unmittelbar verständlich sind.

Die 49 Arbeiten in der Ausstellung senden kurze knappe Botschaften aus und sind zum Teil auch „Wort-Werke“. Die Schrift dominiert die Kunst von Ingo Heintzen aber zu keiner Zeit, sie ist unauffällig, gibt Anstöße. „Den mal“ heißt es da auf einer Arbeit, deren Kernstück ein altes Kriegsfoto vom Flohmarkt ist. „Damit hinterfrage ich das Heldentum“, erklärt der Künstler, der auch mit Blei und Säuren und auf Stahl arbeitet. Die Sinnlosigkeit des Todes ist für ihn ein Thema, das er kritisch hinterfragt. Die entsprechenden Arbeiten hat er extra für diese Ausstellung gemacht. Mit den von ihm bevorzugten gestalterischen Mitteln greift er auch das Unrecht der Deutschen an den Hereros auf.

Die Ausstellung im Kulturbahnhof Korschenbroich ist noch bis zum 20. Januar geöffnet, und zwar jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr, außer am 23. und am 30. Dezember.

NGZ/RPonline/Rudolf Barnholt