Im Kulturbahnhof geht es um Orte alltäglicher Erinnerungen

Foto: D.Ilgner

 

„Dass dies keine Kunstausstellung im herkömmlichen Sinne sein würde, konnte man bereits anhand der Einladung vermuten“, sagte Robert Jordan, der Kurator der aktuellen Ausstellung im Kulturbahnhof.

 

 

„Zukunft braucht Erinnerung“, nennt die Künstlerin Margarete Schopen-Richter diese Ausstellung. Zu sehen sind Werke, die während ihrer familienbiografischen Arbeit entstanden sind.

„Die Künstlerin möchte sich mit ihrer Kunst nicht verständlich machen, sondern vielmehr sich selbst verstehen“, erklärte Jordan. Macht es vor diesem Hintergrund Sinn, sich mit der Ausstellung, die als Gesamtinstallation verstanden werden muss, auseinanderzusetzen? Auf jeden Fall. Der Weg dorthin hatte fast psychoanalytischen Wert: Margarete Schopen-Richter begann, ihre Vorfahren zu begreifen und damit auch sich selbst. Besucher ihres Alters – sie wurde 1951 in Immerath geboren – könnten ähnliche Rückschlüsse ziehen und genau wie Margarete Schopen-Richter davon profitieren. „Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden“, steht an einem alten Bettgestell geschrieben, über dem ein altes Totenhemd hängt. Dieser Satz ist eine Kernaussage der Ausstellung: Die Traumata der Kriegsgeneration wurden praktisch über das Erbgut an ihre Kinder weitergegeben. „Mein Vater war traumatisiert durch seine Kriegserlebnisse“, sagt die Künstlerin, die auf einem Hof in Otzenrath aufgewachsen ist und jetzt in Orken lebt. Der Hof musste inzwischen dem Braunkohlentagebau weichen. 

Aus original erhaltenen Steinen hat Margarete Schopen-Richter eine menschliche Figur geformt, da, wo das Herz ist, platzierte sie ein Stück des Fassadenschmucks des Jugendstilhauses – diese Installation ist ihrem Vater gewidmet. Es geht um eine Fülle von Schicksalen. Da hängt etwa ein feuerrotes Kleid: „Es hat mit meiner Großmutter zu tun, die als 22-Jährige im Wochenbett gestorben war“, erklärte die Künstlerin. „Was sie bedeuten, sage ich nicht“: Gemeint sind die fünf fast, aber nicht ganz runden Glaskörper, die auf einer alten runden Kuchenform ruhen und mittels eines LED-Lichts zum Leuchten gebracht werden. Hier und anderswo ist der Betrachter aufgefordert, eigenen Assoziationen freien Lauf zu lassen. Die Ausstellung Am Bahnhof 2 ist immer sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen und nach Vereinbarung unter 01749907444. Und sie endet am 16. September.

NGZ/RP-online/ Rudolf Barnholt