Kultureller Treffpunkt mit viel Herzblut

Peter-Josef Stefes und Heimatverein-Vorsitzende Barbara Romann inmitten einiger der vielen Schätze des Kulturbahnhofes Korschenbroich. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

1986 sollte das Bahnhofsgebäude abgerissen werden. Der Heimatverein rettete es mit Eigenarbeit und Fördermitteln. Der „Kulturbahnhof“ vereint heute Heimatmuseum, Wechselausstellung und Veranstaltungsort.

 

 

Bei der Anreise mit der S8 ist das Ziel Kulturbahnhof nicht zu verfehlen. Seiner ursprünglichen Bedeutung entsprechend liegt das Gebäude an der Schienenstrecke Düsseldorf/Mönchengladbach. Früher gab es vom Bahnsteig aus einen direkten Durchgang. Der Eingang liegt auf der bahnhofabgewandten Seite. Vom funktionalen Ursprung mauserte sich der Bahnhof zum lebendigen Treffpunkt.

Links liegt das Heimatmuseum mit der Dauerausstellung auf drei Etagen zur Geschichte von Stadt, Bahnhof und den einmal ortansässigen handwerklichen Berufen. Der multifunktionale Raum rechts bietet helles Ambiente für Wechselausstellungen, Kleinkunst, Vorträge, Lesungen. Dazwischen liegt das Museumscafé, das für verschiedene Zwecke genutzt wird. Hier startete etwa die Erfolgsgeschichte der Reihe „Korschenbroich liest“.

Der Heimatverein Korschenbroich ist Träger des Hauses, die Stadt ist Schirmherr. Die Entwicklung von Funktionalität zum Kulturbahnhof steht für Ehrenamt und Hartnäckigkeit. Das Bahnhofsgebäude aus dem 19. Jahrhundert sollte im Jahr 1986 abgerissen werden. Dann aber kaufte die Stadt das Gebäude für den symbolischen Preis von einer Mark. Mitglieder des Heimatvereins retteten mit Muskelkraft, persönlichen Talenten und viel Herzblut das Gebäude vor dem Abbruch. 1989 zog der Verein mit dem Heimatmuseum ein. Als einen wichtigen Motor nennt Peter-Josef Stefes den verstorbenen Elektrikermeister Peter Heister, der mit seiner Sammelleidenschaft den Anstoß für die Werkzeugsammlung gab. In Karl Reichartz, dem späteren Museums- und Ehrenmuseumsleiter fand Heister einen hoch motivierten Mitstreiter. Der rechte Teil des Bahnhofgebäudes barg zunächst noch eine Kneipe. Als der Vertrag nicht verlängert wurde, wurde auch hier in Eigenleistung umgestaltet. 2005 wurde der Kulturbahnhof ins Leben gerufen. Die Namensänderung hatte Dr. Rita Mielke angeregt, um der Vielfalt der Angebote gerecht zu werden. Vor Mielkes Einsatz als ehrenamtliche Museumsleiterin hatte Stefes mit Monika Jungbluth Planung und Konzeption verantwortet. Heute ist Barbara Romann Vorsitzende des Heimatvereins. „Familienangehörige werden hemmungslos einbezogen“, kommentiert sie das Bestreben, möglichst kostenfrei zu agieren. Eine wichtige Einnahmequelle für den Kulturbahnhof fließt aus der Bewirtung im Museumscafé, wo es gespendeten Kuchen und Getränke zu moderaten Preisen gibt. Etwa 5.000 Euro kommen so im Jahr zusammen, davon verbleiben 2.500 Euro für die Ausstellungsarbeit. Hilla Baecker verantwortet als Museumsleiterin Wechselausstellungen, Terminkalender und Werbung. Auch sie setzt auf familiäre Unterstützung, insbesondere auf die ihres Mannes Ernst Neugebauer, um die Fülle der ehrenamtlichen Aufgaben zu leisten. Für dieses Jahr hat Baecker insgesamt sieben Ausstellungen organisiert. Im kommenden Jahr wird Korschenbroich erneut mit einer Präsentation beteiligt sein am Themenjahr im Museumsnetzwerk Kulturraum Niederrhein. In diesem Fall profitiert das Haus von Fördermitteln durch Museumsnetzwerk und Stadt.

NGZ/RP online/Angela Wilms-Adrians