Mode trifft auf Literatur

Projektleiterin Rita Mielke, Karlheinz Wiegmann, Leiter des Museums Schloss Rheydt und Hilla Baecker, ehrenamtliche Leiterin des Kulturbahnhofs (v.l.) bei der Ausstellungseröffnung. Foto: Theo Titz

Im Kulturbahnhof zeigen Studierende das Projekt „Fashion & Fiction“.

Auf einem Bild wird eine Frau zur Marionette mit Fäden an Armen und Beinen. Hat sie sich von Diktaten der Modeindustrie abhängig gemacht? Diese und andere Fragen wirft eine ebenso interessante wie ungewöhnliche Wanderausstellung aus, die seit Samstag im Korschenbroicher Kulturbahnhof zu sehen ist. Das Projekt „Fashion & Fiction“ des TextilTechnikums Mönchengladbach hatte Studierende an der Hochschule Mönchengladbach ein Semester lang beschäftigt. Da sind Zeichnungen zu sehen, Malerei, kunstvoll gefertigte Kleider und erst auf den zweiten Blick merkt der Besucher, dass es auch um Literatur geht: Fünf unterschiedliche Bücher waren der „Aufhänger“ für diese Ausstellung.

Rita Mielke, bekannt als Initiatorin von „Korschenbroich liest“, ist Projektleiterin dieser Ausstellung – sie sprach ebenso zur Eröffnung wie Karlheinz Wiegmann, Direktor des Museums Schloss Rheydt, wo die Ausstellung bereits zu sehen war. Mode ist Teil unserer Alltageskultur, sie dient der Selbstdarstellung und Selbstinszenierung und ist Ausdruck der Persönlichkeit. „Deshalb beschreiben Autoren auch immer wieder die Kleidung ihrer Protagonisten so genau“, erklärte Rita Mielke. Die kostbaren Kleider stehen in Verbindung zu den Texten auf den Bannern: Mode trifft auf Literatur. Das Besondere an der Ausstellung ist, dass man sie mit vielen Sinnen erfahren kann: Die Kleidung kann berührt werden, die Bilder können betrachtet werden. Und dann ist da noch ein Gerät, das aussieht wie die neueste Ausführung einer Trockenhaube in einem Frisörsalon. Der Ausstellungsbesucher, der unter dieser Haube Platz nimmt, kann auf Knopfdruck Textpassagen aus den fünf Büchern hören, in denen es um Frauen und um Veränderungen geht. „Es geschah in Schöneberg“ ist eines davon. Die Studenten haben sich in die Zeit der 1920er Jahre hineinversetzt und Stoffe entworfen. „Die Dame in Blau“, „Miri maßgeschneidert“, „Die Dienstagsfrauen“ und „Ein paar Leute lachen sich tot“ sind die weiteren Bücher, um die sich die Ausstellung rankt. Am kommenden Mittwoch wird Rita Mielke einen Vortrag zum Thema „Kleider machen Leute“ halten.
NGZ / RP-online / Barnholt